Schönheit wird die Welt retten

Werke von Edith Schaar und Günter Grass, 6.11.2016-25.11.2016, Vernissage 6.11. 15 Uhr

Wir freuen uns, eine ganz besondere Ausstellung präsentieren zu können, für die Jannik Büddig, Schauspieler und Filmemacher, Werke seiner mittlerweile 90-jährigen Großtante Edith Schaar aus Spanien zusammengetragen hat. Dazu zählen Bilder, Zeichnungen und einige ihrer gewebten Wandteppiche. Ergänzt wird ihr Werk durch Zeichnungen und eine Bronze-Skulptur von Günter Grass, entstanden in ihrer gemeinsamen Zeit in Düsseldorf. Zwischen den beiden Künstlern bestand eine freundschaftliche Verbindung. Schaar stand Günter Grass für Zeichnungen und Skulpturen Modell, auch fand sie in seinem Buch "Beim Häuten der Zwiebel" Erwähnung. Weiter zeigt Büddig kurze Sequenzen seines in Entstehung befindlichen Dokumentarfilms "Schönheit wird die Welt retten" - ein Film über seine Großtante.

Foto: Sebastian Wunderlich
Foto: Sebastian Wunderlich
Edith Schaar wird am 7.05.1926 im heutigen Polen geboren. Im 2. Weltkrieg flieht sie mit der Familie nach Tating bei Husum in Schleswig-Holstein. Sie nimmt Zeichenunterricht bei Friedrich Karl Gotsch, einem Meisterschüler von Oskar Kokoschka. Ihr Werdegang als Künstlerin beginnt. Nach dem zweiten Weltkrieg folgt ein Studium für Bildende Kunst bei dem weltberühmten Willi Baumeister in Stuttgart. Anschließend folgt ein zweites Studium für Kunst im Textilen bei der Klee-Schülerin Elisabeth Kadow in Krefeld.
Um ihr Studium zu finanzieren, steht sie dem jungen Bildhauer Günter Grass und dem Künstler Norbert Kricke in Düsseldorf Modell. Nach ihrer Bohème-Zeit heiratet Edith den Kunsthändler Gustav Waldemar Budde und bekommt drei Kinder mit ihm. Die Ehe scheitert nach 5 Jahren. Daraufhin wandert Edith mit ihren Kindern nach Brasilien aus, um dort in einer Walddorfschule zu unterrichten. Nach ihrer Rückkehr in die Heimat unterrichtet sie in Lübeck und an der Hochschule für Künste in Ottersberg und begegnet dem Kunsthistoriker Diether Rudloff. Mit ihm wandert sie nach La Floresta in Spanien aus. Ihr Ziel ist es, dort in einem romanischen Schloss eine freie Kunstakademie zu eröffnen und den kargen Ort zu begrünen. Der Traum einer Akademie bleibt durch Rudloffs überraschenden Tod unerfüllt. Edith bleibt auch nach seinem Tod 1989 in La Floresta. Sie arbeitet und unterrichtet bis heute.

Edith Schaar

Foto: Sebastian Wunderlich

 

Die Freundschaft zu Günter Grass, vorwiegend während der Studienzeit in Düsseldorf, dokumentieren nicht nur Fotos, Briefe, sondern auch Porträts und eine Skulptur. Ein Abguss in Bronze steht in ihrem Haus. Edith Schaar ließ sie nach einer Skulptur aus weißem Gips von Günter Grass in Bronze gießen. Sie schreibt: „...Günter Grass selbst hatte Interesse an einem Abguss. Deswegen (gibt es) zwei inmitten der Steine meines Nachbarn, Steinmetz Felix! Ich nannte sie „Eva“, weil Günter mir einen Apfel in die Hand gab, er nannte sie „Mädchen“, er meint, ich sei heute noch Mädchen geblieben, innerlich, ja, da hat er Recht.“(Arbeitsblatt 13, S. 106)

(aus Dr. Roswitha Siewert Lübeckische Blätter 2011/12)

 

Günter Grass

16. Oktober 1927 in Danzig-Langfuhr, Freie Stadt Danzig als Günter Wilhelm Graß; † 13. April 2015 in Lübeck) war ein deutscher Schriftsteller, Bildhauer, Maler und Grafiker. Grass gehörte seit 1957 zur Gruppe 47 und wurde mit seinem Debütroman "Die Blechtrommel" 1959 zu einem international geachteten Autor der deutschen Nachkriegs-literatur. (Wikipedia)

Jannik Büddig

Jannik Büddig by Anatol Kotte

Foto: Anatol Kotte

 

2014 bekommt Edith Schaar Besuch von ihrem Großneffen, dem Schau-spieler und Filmemacher Jannik Büddig , geboren 1983 in Hamburg, Studium an der UDK in Berlin, Unterricht bei " Loriot " alias Vicco von Bülow und Stipendiat von Peter Zadek. 
Nach seinem Studium folgten Theaterengagements in Berlin, Karlsruhe, Schwäbisch-Hall, Magdeburg und Hamburg. 
Neben dem Theater spielt Jannik Büddig in mehreren Kino und TV Produktionen mit. ( Tatort, Ich und Kaminski, Becks letzter Sommer,Soko Leipzig, Hungerwinter, die Todesautomatik) 
 
Nach seinem Besuch 2014 beschließt Büddig einen Film über die Geschichte seiner Großtante zu drehen, in dem er auch selber mitspielt.

Eindrücke von der Vernissage